Reisen

Andalusien

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ROAD TRIP DURCH DEN SPANISCHEN SÜDEN

Sieben Tage Rundreise nach einer Party-Nacht starten ist zwar anstrengend, trotzdem kam Freude bei mir auf. Die Hochzeit von Simone & Bastian endete nachts um halb zwei, um halb drei habe ich alle der knapp dreitausend Fotos von den Karten geladen, um dann nach vier Stunden unruhigem Schlaf zum Flughafen zu starten. Nach einem salzigen Frühstück bei McDonalds ging es ab in die fliegende Sardinenbüchse. Schon drei Stunden später liefen wir etwas planlos durch Málaga, auf der Suche nach der Mietwagenstation. Mit dem Auto ging es dann weiter über kurvige Gebirgsstraßen, direkt nach Ronda.

Ronda

Wir durchquerten Andalusien in sieben Tagen, unsere Planung hat für einige Städte nur eine Übernachtung vorgesehen. Wir kamen gegen 18 Uhr an und machten uns sofort auf zu einem Entdeckungsgang durch die Altstadt. Ich hatte Karten und Spazierwege für alle Städte vorbereitet, an denen wir uns orientiert haben, ohne ihnen genau zu folgen. So konnten wir uns entspannt in den engen Gassen verlaufen, ohne verloren zu sein. Wo der Plan nicht genau genug war half das Smartphone aus.

Ronda ist eines der "weißen Dörfer", welche eine ganze Reiseroute für sich bieten. Die alternden Bauten mit Charme einer vergangenen Zeit winden sich auf und ab entlang der Gässchen. Das Highlight ist Puente Nuevo, die große Brücke über den Rio Gualadevín. Wir haben den Abend mit leckeren Tapas und Bier ausklingen lassen.

GIBRALTAR

"Fahrt auf keinen Fall mit dem Auto über die Grenze nach Gibraltar."

Den Rat haben wir von unserer spanischen Freundin Marie bekommen. Als wir in La Linea de la Conception ankamen wussten wir warum. Gibraltar ist eine einzige Sackgasse, deren Einfahrt mehfach am Tag gesperrt wird, wenn ein Flugzeug startet oder landet. Der Verkehr staut sich bis in die Stadt hinein, also sind wir zu Fuß zur Gondelstation gelaufen. Die Stadt an sich ist recht uninterressant, der Felsen ist das Highlight. Falls ihr die Reise auch mal machen wollt, sucht euch ein Taxi mit privatem Guide, der auf den Felsen hochfährt. Die Wartezeit an der Gondel war nicht sonderlich angenehm, die Fahrt nicht der Rede wert.

Auf dem Felsen leben circa elf Rudel von Makaken, die sich an die Touristenströme gewöhnt haben. Es wird überall davor gewarnt, Tüten und Essbares nicht offen zu tragen, trotzdem scheint manch einer es nicht beachten zu wollen. Wir konnten mehrmals das Schauspiel beobachten: die Affen sitzen scheinbar gelangweilt und dösend herum, plötzlich springen mehrere los und klettern über die Anlage und entreißen den Touristen ihre Tüten und Kekse.

Oben haben wir die alten Wehranlagen erkundet, beim klettern sollte man aber sehr gut aufpassen: Ich bin eine Stufe runter und links abgebogen und stand unmittelbar vor dem Abgrund ohne Geländer. Sollte ich nochmal hinfahren werde ich mir alle Attraktionen ansehen, mit unserer Planung hatten wir leider nicht genug Zeit und Energie. Besonders die Mediterranean Steps möchte ich noch von oben nach unten ablaufen.

CÁDIZ

Hier gibt es alles für das Urlauberherz: Wunderschöne Altstadt, Sandstrand am Meer, fantastische Parkanlagen, viel wuseliges Leben und leckeres Essen. Bei der Fahrt in die Altstadt durchquerten wir den modernen Teil, der mit seinen Wohnklötzen ähnlich wenig Charme hatte wie Oostende. Wir sind durch die Gassen spaziert und haben die Kathedrale besucht, ein herrlicher Bau. Die spanischen Gemeinden gehen mit den Aussichtstürmen cleverer um als andere es machen: Hier sind Rampen anstatt Stufen nach oben gebaut worden, was den Aufstieg nicht ganz so anstrengend gemacht hat. In der Krypta findet man eine Resonanz-Kuppel, die allen Geräuschen einen fast digitalen Reverb-Effekt hinzugefügt hat. Hier hätte ich mir einen Sänger oder Chor gewünscht, das muss echt super klingen.

ARCOS DE LA FRONTERA

Geplant war hier eine Stunde Spaziergang mit Geocachen, wir hatten allerdings den Berg unterschätzt auf dem das Dorf gebaut ist. Die Caches stellten sich als sehr schwierig heraus, wir haben öfters lang und erfolglos gesucht. Die Moral war aber schnell wieder da, als sich wenigstens einer finden lassen hat. Wir hatten uns von Arcos mehr versprochen, der östliche Teil ist uninteressant und auch ziemlich verfallen. Die Fassaden stehen alle noch, wenn man aber mal durch die Löcher schaut, sieht man eine Ruine. Trotzdem haben wir ein paar schöne Motive mitnehmen können und haben uns am nächsten Tag nach Sevilla aufgemacht.

SEVILLA

Wir sind hier ebenfalls "nur" die alte Stadtmitte abgelaufen, Sevilla ist im Gegensatz zu unseren bisherigen Zielen aber um einiges größer. Unsere erste Route führte uns vom Nordwesten quer durch die Stadt, zum María Luisa Park mit dem Plaza de España.

Die Entdeckungstour ging weiter durch die Stadt zum Real Alcázar de Sevilla. Im Gegensatz zum pompösen Barock in Paris konnte ich mich an der maurischen Baukunst nicht satt sehen. Es fühlt sich irgendwie freundlicher an durch die Gebäude zu gehen und einen kleinen Innenhof mit plätscherndem Wasser zu finden. Die Pompösität gibt es auch hier, allerdings verwinkelter und nicht so dermaßen in-your-face wie zum Beispiel in Versailles.

Nach ein paar Geocaches in der Stadt und einem Nickerchen zog uns der Hunger zu dem Restaurant, welches uns der Rezeptionist empfolen hatte. Wir hatten Glück noch einen Tisch zu bekommen, kurze Zeit später standen die Gäste schon Schlange.

Dieser Abend wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben, die Situation wirkte schon fast unwirklich: Wir saßen an einem der Tische am äußeren Rand des Platzes, neben uns krochen Autos und Mopeds zwischen den Fußgängern die Straße runter. Ein wahres Rudel von Kellnern und Kellnerinnen flitzten immer wieder über die Straße in das Restaurant, um Getränke und Speisen auf den kleinen Platz zu bringen. Das System musste chaotisch sein, immer wenn die Küche etwas fertig hatte stand ein Kellner bereit, der es dem Gast bringen konnte. So haben wir nie mehr als zehn Minuten auf unsere Bestellung warten müssen, obwohl wir kein Wort Spanisch und die Kellner kein Wort Englisch sprechen konnten. Unsere Tapas waren die besten im ganzen Urlaub. Dann kam noch eine Gruppe von Studenten vorbei, die ihre Tradition von öffentlicher Live-Musik ausübten und für den kleinen Platz Flamenco spielten. Das Ganze bei einem kühlen Bier um 23 Uhr bei 26 Grad in T-Shirt und kurzer Hose. Ich kann mir gut vorstellen meine Rente in Sevilla zu genießen, falls es die noch gibt wenn ich in dem Alter bin.

ALHAMBRA

Von Granada selbst haben wir nur das Judenviertel aus der Ferne gesehen, für die Alhambra braucht man schon einen ganzen Tag Zeit. In unserer ersten Planungsversion war es eigentlich gar nicht als Ziel gedacht, das Prachtstück Andalusiens konnten wir uns dann aber doch nicht entgehen lassen. Was auch ganz gut so war, denn die Alhambra ist mehr als beeindruckend. Die schönsten Parkanlagen, die ich je gesehen habe. Lange Zypressen, die zwischen den braunen Mauern hervor ragen. Kleine Brunnen, eingebunden zwischen grünen Tunneln. Olivenbäume auf den Hängen, Zitronen- und Orangenbäume in den Innenhöfen. Maurische Architektur mit feinen Verzierungen und vielen Bögen... Ich hätte die Anlage die ganze Woche genießen können.

Nach dem Erlebnis ging der Urlaub dann schnell vorbei: Eine Übernachtung in Málaga, dann mit dem Flieger um 6 Uhr zurück nach Köln. Das Highlight des Rückfluges war die Sitzreihe 16, mein Zufallsplatz war neben dem Notausgang. Das hieß: Beinfreiheit! So konnte ich doch noch etwas Schlaf nachholen und den Urlaub entspannt abklingen lassen.