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Emils Hof

32 Fotos   Drei Minuten Lesezeit

Eine echte Vintage-Sammlung

Ein alter Bauernhof in Brandenburg reiht sich ein neben andere Höfe, wie sie es auf dem Land haufenweise gibt. Im Vorbeifahren nimmt man sie eigentlich gar nicht mehr bewusst wahr. In einem der kleinen Dörfer (durch die wir schon so oft gefahren sind) befindet sich der Hof, den Emil Meißner erbaut hat. 1932 wurden hier die Stallungen und Scheune hinter dem bereits bestehenden Haupthaus erweitert und haben heute einen historischen Charme. In dieser Zeit wurden nahezu alle Gebäude in der Region aus gelben Backsteinen gebaut, was das typische Bild der alten Dörfer und Städte prägt.

Der Hof bot damals noch Schweinen, Kaninchen und Hühnern Stallungen, Heute findet man nur noch altes Heu und nostalgische Erinnerungen in den Kammern. Emil hat den Hof an seinen Sohn Werner vererbt, der hier den Großteil seines Lebens verbracht hat. Auch Werner hat hier als Landwirt gearbeitet, nebenbei schrieb er Artikel für die Lokalzeitung und half den benachbarten Bauern mit der Arbeit aus. So läuft das Leben auf dem Land. Mit der Zeit wurden die Tiere zu viel Arbeit, zuletzt haben die Hühner noch ihren Eierdienst verrichtet, doch diese sind mittlerweile wie Werner auch umgezogen.

Eine Erinnerung an die vergangenen Zeiten ist das Hochzeitsfoto von Helga und Werner. Links sitzen Anna und Emil, rechts sitzen Elli und Alfred.

Kummersdorfer Umfeld

Depressive Ortsnamen gibt es überall zu finden, wie zum Beispiel "Haßloch", "Finstertal", "Seelendorf" oder "Elend" (gleich neben "Sorge"). Kummer fühle ich hier nie, eher Freiheit und Entspannung. Die flache Landschaft wirkt hier älter, wilder, weniger bewirtschaftet als anderswo. Dass der Eindruck täuscht merkt man dennoch relativ schnell, wenn man durch den Wald spaziert und sich plötzlich die Bäume in Reih- und Glied aufgestellt zeigen. Und doch fühlt sich der Wald hier anders an als zum Beispiel im Königsforst. Er lässt den Blick gerade tief genug herein um das Interesse zu wecken, aber nicht weit genug alle Geheimnisse preis zu geben. Nur die Mücken, die könnte der Wald sich sparen.

Neben dem Wald sieht man außerdem kurioses und geheimnisvolles, zum Beispiel diese Mühlenscheune oder ein verlassenes Herrenhaus, mit Turm. Da fehlen nur noch die Zombies.

Inventar verteilen

"The things you own end up owning you."

Für das heutige Leben auf dem Hof muss Platz und Ordnung geschaffen werden, das heißt, es muss sich von den alten Dingen getrennt werden. Die heutigen Bewohner Heidrun & Harry wollen genau das erreichen, in dem die Nostalgie-Schätze bei einem Hof-Flohmarkt an den Mann oder die Frau gebracht werden. Der enorme Aufwand in der Vorbereitung zehrt allerdings stark an den Nerven: Es muss alles sortiert, aufgeräumt, umgeräumt, dekoriert, abgebaut, aufgebaut, geputzt, gespült und bepflanzt werden, um auch einladent für die potentiellen Kunden zu wirken. Das erfordert auch, das Gras im Garten mit der Sense zu mähen. Schließlich ist es der erste Flohmarkt überhaupt, den die beiden veranstalten. Unterteilt wurde das dörfliche Kaufhaus in die Abteilungen Großwerkzeug, Kleinwerkzeug, Baumaterial, Hausrat, Bücher und Deko. Hier gab es alles zu finden: von Dachziegeln über Pferdegeschirr bis zur kitschigsten Plastik-Kukuksuhr musste man sich einige Zeit nehmen für das breite Angebot. Zum Glück spielt das Wetter mit und vor dem Tor warten bereits die ersten Profi-Schatzsucher. Der Spaß kann losgehen!

Der Verkauf

So viele fremde Menschen auf dem Hof, spannend! Direkt bei den Ersten wird nach typischer Flohmarkt-Manier um den Preis gefeilscht. Nach ein bisschen Übung fällt das zum Glück auch leichter. Ich finde die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Schatzsucher sehr interessant, jeder hat seine eigene Art, mit dem echten und erwarteten Wert der Ware umzugehen. Manche schauen still umher, andere schwatzen minutenlang an einem Euro rum.

Der Flohmarkt ist ein voller Erfolg: die viele Arbeit hat sich mehr als gelohnt. Es werden Dinge gekauft, von denen ich nie erwartet hätte, dass sich jemand dafür interessiert. Heidrun & Harry sind guter Dinge und froh, sich den Anstrengungen und Ungewissheiten gestellt zu haben.