Reisen

Über Berge und Brandung

47 Fotos   Vier Minuten Lesezeit

Rundreisen gegen Städtereisen

Die letzte Reise nach Rom liegt hinter uns, wie immer sichten wir die Fotos und teilen unsere Eindrücke. Unser Fazit ist, Städtereisen sind für uns nicht mehr so interessant wie früher. Eine Rundreise ist eher nach unserem Geschmack.

Also drehen wir den Globus und landen in der Adria, vor Kroatien. Das Land ist uns beiden unbekannt, lediglich heiße Temperaturen und steinige Küste kommt uns in den Sinn. Unbekanntes hat immer seinen Reiz, was uns motiviert die ersten Pläne aufzustellen und Informationen zu sammeln. Viel sehen und er-fahren (hah) klingt cool, also stellen wir unsere Route zusammen:
Landen in Split, dann die Küste südlich entlang nach Dubrovnik. Von hier zurück Richtung Norden, bis Makarska. Weiter nach Šibenik, den Krka Nationalpark erkunden. Das letzte Ziel ist Zadar, unsere Home-Base für Ausflüge zu den Plitvicer Seen und ins Umland. Insgesamt fahren wir in den 11 Tagen 888km:

Split

Der Landeanflug auf Split ist abenteuerlich, es geht in vielen Kurven zwischen den Bergen runter, scheinbar direkt ins Wasser. Windig ist es auch, gestern hat es noch gestürmt. Mit dem ersten Atemzug kroatischer Luft kommt die Ernüchterung: Regen. Im Urlaub. Das geht doch nicht! Nach 20 Minuten Fahrt zur ersten Unterkunft bessert sich das Wetter, wir können also entspannt Split erkunden. Der Ausblick aus unserem Zimmer ist allerdings dezent ungünstig.

Split hat eine sehr schöne Altstadt und relativ langweilige Bezirke drumherum. Durch die Lage unserer Unterkunft müssen wir einige Minuten bis zur Altstadt laufen, durch Wohngebiete, die an Ostblock-Zeiten erinnern. Um den generellen Look der Altstadt deutlicher zu machen: sie diente als Kulisse für Teile der Game of Thrones Serie. Im Hafen legen die dicken Kreuzfahrschiffe an und entleeren tausende von Touristen auf einmal in die Stadt, was mir die Fotomotive ruiniert. Oh well. Schön ist es trotzdem :)

Šuma Marjan

Die Landzunge an der Südwestküste von Split ist ein großes Naturschutzgebiet und komplett bewaldet. Perfekt für einen kleinen Spaziergang. Wenn Google Maps nicht gelogen hätte: bei der Planung sahen die Wege auf der Karte kürzer aus... Aus dem kleinen Spaziergang wird so eine Tageswanderung. Am Eingang kann man sich Fahrräder leihen, was ich jedem Besucher ab jetzt empfehle. Zu Fuß in der Mittagshitze ist es sehr anstrengend, die Fototasche wird auch immer schwerer auf der Schulter. Eine Abkühlung muss her, nur leider ist kein einsames Fleckchen Felsen zu finden. In dieser Situation an unserem zweiten Tag lernen wir die Lektion des Urlaubs:

"Geh noch ein kleines Stückchen weiter. Was lange währt wird endlich gut."

Ich mache bei unserer Pause auch die Erkenntniss, dass ich Felsenküste lieber mag als Sandstrände. Unter den duftenden Pinien liegen, die Klamotten zum Trocknen in die Sonne an die Bäume hängen und kein Sand, der sich überall verteilt.

Dubrovnik

Drei Stunden Fahrt stehen heute auf dem Plan, die überraschend problemlos und stressfrei laufen. Die Autobahn ist leer und in perfektem Zustand, ringsherum die Berge und weiten Täler des Hinterlandes. Die Küstenstraße ist bilderbuchschön, nach jeder Kurve bietet sich ein neuer, fantastischer Blick auf die Adria. Ich kann mich gar nicht satt sehen. Wir haben scheinbar auch Glück mit dem Verkehr, der Rückweg zeigt uns, dass es auch mal anders hergeht. Dazu aber später mehr, jetzt erstmal zum Vergleich der Blick aus der zweiten Unterkunft und die unmittelbare Umgebung.

Die Altstadt

In den schier endlos vielen engen Gässchen und Winkeln hätten wir die ganzen zwei Wochen verbringen können. Unglaublich charmant und geheimnisvoll. Von hier könnte die Inspiration für Knockturn Alley oder Ankh-Morpork stammen. Der Blick von der Stadtmauer erinnert an Assassin's Creed. Übrigens wurden auch hier Teile von Game of Thrones gedreht, der Hafen der Altstadt ist die Kulisse für King's Landing.

Dubrovnik bietet auch eine kleinere Wanderroute an, entlang der westlichen Bucht. Der Weg und die Küste sind schöner als in Split, es gibt alle paar Meter einen Einstieg runter zum Wasser. Auf so einem finden wir auch ein einsames Fleckchen, als wir ein paar Meter weiter gehen als wir eigentlich wollten. Was lange währt und so weiter ;) Den lieben langen Tag ins warme Wasser tauchen, abends den Sonnenuntergang wie aus Hollywood genießen, dann lecker essen gehen ‒ was könnte besser sein?

Makarska

Die Fahrt zurück nach Norden ist für uns wie die Hinfahrt entspannt. Auf der Gegenspur allerdings fängt an der Grenze Bosnien und Herzegowina -> Kroatien ein Stau an, der sich durch den kompletten Abschnitt des Landes zieht, bis kurz hinter die zweite Landesgrenze. Die Autos stehen auf 11 km komplett still, die Fahrer ratlos in der Mittagshitze auf der Straße. Zwei Tage zuvor sind wir da noch durchgebraust. Glück gehabt!

Weiter geht's in Makarska, wo wir schnellstmöglich ins Wasser flüchten. Und auch hier gilt die Regel: Noch ein kleines Stückchen weiter gehen. Makarska hat viel vom Mallorca-Tourismus, dementsprechend überfüllt ist der Küstenabschnitt. Wir finden unser Paradies ganz am Ende des Weges auf der Halbinsel. Traumhaft!

Gegensätze sind anziehend

Makarska ist einzigartig, da das riesige Felsmassiv nahezu perfekt in die Adria abflacht. Der Kieselstrand ist der feinste, den wir in diesem Urlaub vorfinden, direkt an den Fress- und Souvenirbuden für die Malle-Touristen. Wer darüber hinweg sehen kann, wird mit diesen Motiven belohnt.

Šibenik

Ein kleines, verschlafenes Städtchen, mit vielen verwinkelten Gassen. Das interessanteste hier ist die Mega-Yacht, die im Hafen liegt. Der Besitzer ist wohl der Chef der Baufirma, die das World Trade Center in den 70ern gebaut hat (und einiges mehr von lower Manhattan). Unsere Unterkunft dient uns nur als Zwischenstopp, denn wir fahren weiter in den Krka Nationalpark. Der ist zwar schön, aber in der Hauptsaison so hoffnungslos überlaufen, dass es Streckenweise keinen Spaß mehr gemacht hat.

Zadar

Unsere Unterkunft liegt mitten im Zipfel der Altstadt, mit Terasse auf dem Dach, wo man prima frühstücken kann. Zadar ist wenig ansehnlich, wenn man so verwöhnt ist von den perfekten, zauberhaften Gässchen und Winkeln Dubrovniks. Ich lasse die Kamera im Zimmer und wir erkunden die Umgebung nur mit den Augen und Ohren. In Zadar gibt es auch etwas einmaliges: Die Meeresorgel. Der Klang ist kaum zu beschreiben, mehr Moll als Dur, zumindest für meine Ohren. Hier eine Hörprobe.

Plitvicer Seen

Von Zadar fahren wir durch das Land über die schönsten Straßen, die ich je gesehen habe. Die Täler, Gebirgspässe und Abschnitte durch wildes Wüstenland sind irre beeindruckend. Der Nationalpark ist größer als Krka, ein Besuch lohnt sich hier mehr. Es sind überall Menschen, allerdings etwas mehr verteilt, und es gibt mehr zu sehen. Das Wasser ist an manchen Stellen so klar, dass man sich fragt, ob überhaupt Wasser da ist. Bis dann die Fische vorbei schweben.

Fernweh

Kroatien ist eines der schönsten Länder, die ich bisher bereist habe. Die Rundreise ist für das Land absolut ideal, jeder Stop fühlt sich an wie ein neuer Urlaub. Wir kommen wieder :)

Jetzt aber geht es zurück nach Hause.