David Jost

Korfu, Hellas

Cooler Flug in die glühende Hitze

 

Mitten in der Nacht in den Urlaub starten ist freudig anstrengend. Die Taschen stehen gepackt bereit, das Taxi fährt uns zum Flughafen und endlich geht es los in die Ferien. Nach mehreren geplatzen Buchungen durch die Pandemie hat sich Griechenland als Reiseziel ergeben und wir sind froh starten zu können. Wir fliegen in den Sonnenaufgang und werden mit dem Erdschatten belohnt, den wir aus der cruising altitude beobachten können.

 

 

 

 

Über Albanien sehen wir auf den Hängen der Karaburun-Halbinsel den Wald brennen, die Rauchschwaden füllen das Tal und legen sich über den kleinen Ort Orikum. Wir hoffen, dass es kein böses Omen ist und wir in den kommenden 12 Tagen ohne Furcht entspannen können. Aber dazu später mehr.

 

 

 

 

Wir landen geschmeidig, finden schnell unseren Transfer und stellen fest, dass wir noch ein paar Stunden auf den Check-In warten müssen. Also geben wir die Taschen ab und erkunden unser Hotel und den kleinen Ort Agios Gordios.

 

 

 

 

Die Temperatur ist bereits 38°C, sowas haben wir außerhalb von Saunen noch nicht erlebt. Wir sind noch nicht akklimatisiert und der Schweiß läuft nur so an uns runter. Jede Bewegung scheint zu viel zu sein, die Sonne ist grell und brennt auf der Haut. Hübsch ist es hier, nur so irre heiß. Griechenland steckt mitten in einer Rekord-Hitzewelle unter einem Heat-Dome, der durch den verlangsamten Jetstream über Griechenland und der Türkei steht. Den Klimawandel am eigenen Körper zu spüren ist deprimierend interessant.

 

 

 

 

Schattige Freizeit nutzen

 

Für diesen Tag haben wir nichts weiter vor als ankommen und akklimatisieren. Der beste Moment des Tages ist es, von der irren Hitze draußen in das 23°C temperierte Hotelzimmer zu kommen und erstmal kalt zu duschen. Es ist tatsächlich ein bisschen wie in einer Therme, die Hitze macht einen total fertig, nach einer Abkühlung kommt aber direkt die Energie zurück. Jetzt noch am griechischen Buffet den Bauch vollschlagen und den Reisetag ausklingen lassen.

 

 

 

 

Paxos & Antipaxos

 

Touristen werden auf Korfu bombardiert mit Empfehlungen für Bootstouren, von denen wir auch am nächsten Tag eine mitmachen. Es geht von Korfu-Stadt Richtung Süden zum Hafen von Gaios, mit Schwimm- & Schnorchelstopp unterwegs. Wir brutzeln auf der 50-minütigen Hinfahrt auf dem Vorderdeck, durch den Fahrtwind spürt man die brennende Sonne nicht. Mehrfaches Sonnenschutz nachcremen ist angesagt, denn hier verbrennt man sich schnell sehr böse, wie wir mehrfach bei anderen achtlosen Touristen beobachten. Die Fotos sehen etwas unglaubwürdig aus, das Wasser und die Buchten sind aber tatsächlich so klar und türkis. Unfassbar paradiesisches Wasser, und sehr erfrischend. Schnorcheln wie im Aquarium, mit Fischen, Oktopussen und Einsiedler-Krabben in den Riffen.

 

Es ist der heißeste Tag des Urlaubs, beim Mittagessen im Hafen von Gaios pustet uns der Ventilator die warme Luft um die Ohren. Es bringt nichts und fühlt sich eher an wie ein großer Fön. Wir schmelzen dahin, sprichwörtlich. 1-2 Fotos und ab aufs Boot.

 

 

 

 

Eine Attraktion ist das befahren der Höhlen in den Klippen mit dem Schiff. Es ist zwar eine beeindruckende Rangierleistung vom Steuermann, aber warum das gemacht wird ist mir ein Rätsel. Eine Höhle zu Fuß zu besichtigen ist da spektakulärer, wie zum Beispiel die Grotta di Netuno auf Sardinien. Auf der Rückfahrt verkriechen sich viele Gäste unter Deck im klimatisierten Bereich, die Hitze macht nicht nur uns so fertig.

 

 

 

 

Entspannend toasten

 

Die nächsten Tage steht nichts auf dem Plan außer am Meer liegen und die Seele baumeln lassen. Wir beobachten Echsen auf den heißen Felsen hin und her huschen, wechseln lesen mit schlafen und schwimmen ab und denken gar nicht dran, uns Gedanken über die Arbeit zu machen.

 

Wie wir so sind halten wir Nichtstun natürlich nicht lange aus, nach drei Tagen gammeln machen wir unseren ersten Ausflug: Eine Mini-Wanderung über die Berge bei Agios Gordios. Es ist ein mulmiges Gefühl, durch die staubtrockenen Wälder zu wandern und klettern, denn ein Waldbrand breitet sich mit 9 Km/h schneller aus, als wir die steilen Serpentinen runtersteigen könnten. Eine knappe Stunde und eine falsche Abzweigung bergauf später sind wir auch so durch, dass wir uns den weiteren Weg sparen und zurück zum Hotel wandern.

 

 

 

 

Am Abend sitzen wir beim Essen im Speisesaal, wo plötzlich alle Handys gleichzeitig piepsen. Es ist eine Katastrophenwarnung, welche an alle Geräte im Netz gesendet wird die besagt, dass Waldflächen ab sofort Sperrzone sind und man besonders auf jeden Funken achten muss. Jetzt kommt uns unsere Wanderung noch dämlicher vor als vorhin schon.

 

 

 

 

West side Korfu

 

Am nächsten Tag starten wir mit dem Transferbus vom Hotel zum Flughafen, holen unser kleines Mietauto ab und düsen los. Erster Stopp: Paleokastritsa, die Postkarten-doppel-Halbinsel-Bucht(en). Die Hitze ist inzwischen auszuhalten und man kommt schon klar, auch an Tagen an denen die Temperatur über 40°C steigt. Man ist eh komplett nass und klebt von oben bis unten von der Sonnencreme, ab 30°C macht es kaum einen Unterschied. Die Touri-Busse entladen Jugendgruppen en Masse, welche sich auf den schmalen Strand pressen. Die Boote in der Bucht sind vollgepackt mit Menschen. Hier herrscht ein wirres Gedränge, von Abstandsregeln keine Spur. Ein einsamer Polizist steht neben den Bussen an seinem Wagen und qualmt entpannt seine Zigarette, es läuft ja alles. Wir verkrümeln uns auf die Halbinsel und erkunden das Bergkloster und die Landschaft.

 

 

 

 

Weiter gehts zum Kaisers Throne am Dörfchen Pelekas. Hier unten gibt es mehr zu fotografieren als oben am Aussichtspunkt, das Dorf bietet an jeder Ecke interessante Motive.

 

 

 

 

Auf dem Rückweg halte ich noch schnell an einer der vielen Ruinen an und werde mit einer herrlich verfallenen Szenerie belohnt.

 

 

 

 

Am nächsten Tag fahren wir noch einmal vorbei an Paleokastritsa hoch zur alten Festung Angelokastro. Wer die Chance hat sollte hier spät am Tage zum Sonnenuntergang herkommen, der muss von hier oben mit dem Blick auf Paleokastritsa absolut atemberaubend sein. Bei der Rückfahrt durch die Berge entdecken wir Postkarten-Aussichtspunkte und ein verfallenes Restaurant, welches eine bezaubernde Melancholie ausstrahlt: Hier hatte jemand einen Traum von Speisen, Serviert mit einem unvergleichbaren Blick ins Tal und aufs Meer. Leider ist es stark abseits von sonstigen interessanten Punkten, ein Restaurant alleine reicht an dieser Stelle nicht aus.

 

 

 

 

 

 

Quite a british expedition

 

Am nächsten Morgen bringen wir den Mietwagen zurück und werden von dort direkt abholt, für heute steht eine Landrover-Tour an. Unsere Fahrerin Lisa ist eine echte Lebenskünstlerin und fährt den großen Geländewagen souverän durch die engen korfischen Straßen und den wilden Verkehr. Wir sind die ersten im Wagen und Lisa kann ihr Deutsch mit uns üben. Wir bekommen eine Stunde lang eine quasi private Tour, der Weg zu den weiteren Gästen ist lang. Es macht riesig Spaß und wir bekommen genau das, was wir von der Safari wollten: Einblicke und Zugang zu Orten, an die man als Besucher nicht so leicht kommt.

 

 

 

 

Wir holen Linda und Katie ab, zwei Lehrerinnen aus Westminster, die sich über unser gutes Englisch freuen. Die ganze Fahrt über unterhalten wir uns über die Insel, Urlaub und sonstige Themen, so dass die Zeit wie im Flug vergeht. Die Fahrt wird richtig abenteuerlich, als wir die befestigten Straßen verlassen und über eine Schotterpiste zum höchsten Punkt Korfus fahren. Hier kann kein normales Auto passieren, man würde stecken bleiben und sich den Unterboden zerstören. Trotzdem finden wir ein kleines Stück die Piste entlang eine Familie in einem Kleinwagen vor, die sich anscheinend auf Google verlassen haben und nichtsahnend auf die Piste abgebogen sind. Lisa rät ihnen zum umkehren und setzt belustigt die Fahrt mit uns fort.

 

Wir erreichen Old Perithia, ein verlassenes Dorf, in dem es ein paar Tavernen für die Touristen gibt. Hier ist auch eine brandneue Villa gebaut worden, inklusive top gepflegtem Garten. Es ist mir schleierhaft, wer hier so viel Geld ausgibt, denn innerhalb der Saison sind hier nur Touristen, und außerhalb ist hier gar nichts, es gibt keine Einwohner oder sonstige Infrastruktur. Nach einem perfekten griechischen Lunch bringen wir unsere britischen Ausflugsgäste zur Unterkunft und fahren zurück nach Korfu Stadt, wo wir uns von Lisa verabschieden. Mit dem Greenbus geht es zurück zum Hotel.

 

 

 

 

 

 

Korfu Stadt

 

Als letzten Ausflug erreichen wir am nächsten Tag Korfu Stadt mit dem Hotel-Shuttle. Wir schlendern durch die urige Altstadt, entdecken leckeres Eis und einen genialen Buchladen, lassen uns durch die Gassen treiben, besuchen die alte Festung im Hafen und genießen ein griechisches Abendessen in einer winzigen Taverne.

 

 

 

 

 

 

Schatz am Meeresboden

 

Am letzten Tag gibt es nur noch eins zu tun: Am Strand liegen und schnorcheln gehen. Wir planschen entlang der Felsen und beobachten Fische und Oktopusse beim Fressen und Gefressen werden, kleine Schwärme von Fischen gleiten um uns herum. Irgendetwas glitzert in den Pflanzen auf den Riffen. Ein Stück Müll denke ich zuerst, denn davon liegt leider einiges am Meeresboden. Ich tauche trotzdem näher und stelle erstaunt fest, dass es sich um einen Ring handelt. Massiv und aus einem teuren Edelstahl wird das wohl ein Ehering sein, von einem armen Tropf der seiner Frau jetzt erklären muss, warum der Ehering weg ist. Ich mache das letzte Foto des Urlaubs und gebe den Ring an der Rezeption bei Lost & Found ab. Hoffentlich findet er seinen Besitzer wieder!